Mein Leben in der Wanne

Wenn ich ehrlich bin – ich hab mir mein Leben einmal ganz anders vorgestellt.
Als ich vor vielen Jahren in einer kleinen englischen Manufaktur gegossen wurde, mit viel Liebe zum Detail, aus bester Bronze 🟫 und mit Haltung, dachte ich, mein Platz würde vielleicht in einem gepflegten Park stehen. Oder in einem Innenhof mit Rosen. Ein Ort, wo Menschen vorbeigehen und sagen: „Oh look, how elegant.“
Doch mein Schicksal hieß Walter. Und sein 60. Geburtstag 🎉 2012. Kärnten. Landhaus Gritschacher. Und ich war das Geschenk. Bronzen. Bissl britisch. Und ziemlich überrascht.
Ich erinnere mich gut – auch wenn’s keine Fotos davon gibt. Ich kam gut verpackt an, wurde feierlich ausgepackt und stand plötzlich mitten im Fest. Ein großes Hallo! 🥂 Überraschung, Gläser, Applaus. Und Walter – der war sprachlos. Ich wurde in eine alte Holzwanne gesetzt 🪵🛁 – gefunden im Stadel, schwer, ehrwürdig und voller Geschichten.
Dort stand ich also. Ganz still. Und das Wasser begann zu plätschern 💧
Mit der Zeit kamen die Menschen. Einige schauten nur kurz. Andere blieben stehen. Und manche sagten: „Der schaut, als ob er was denkt.“ Und das stimmt. Ich denke viel – aber ich sag wenig. Ich bin mehr fürs Zuhören gemacht.
2017 bekam ich mehr Raum. Die Holzwanne blieb – aus Respekt. Aber der Brunnen rundherum wurde schöner, großzügiger. Ein neuer Platz für alte Gedanken. Und mein Publikum wurde bunter: 🚶♂️ Pilger, 🚴♀️ Radfahrer, 🐾 Hundebesitzer, 🍦 Kinder mit Eis – sie kamen alle vorbei. Und ich blieb. Ich merkte mir Gesichter. Und Geschichten.
Dann kam eine seltsame Zeit – die Zeit der leisen Straßen. Corona. 😷 Ich stand weiter da – unbewegt, aber nicht vergessen. Und bekam ein neues Zuhause: eine Whirlpoolwanne. Himmelblau. Ohne Blubber, aber mit Aussicht. Ein bisschen Wellness für die Seele.
Ach ja, wegen meiner Sprache. Ursprünglich sprach ich Oxford-Englisch. Aber nach über zehn Jahren hier in Kärnten – zwischen Glaserl, Garten und Gesprächen – hat sich mein Tonfall ein bisschen verändert. Ich spreche Hochdeutsch. Mit einem feinen Einschlag von hier. Nicht ganz britisch. Nicht ganz bäuerlich. Aber unverkennbar: #HerrMeier
Heute stehe ich da. Im Sommer mit Sonnenhut 🕶️. Im Winter mit Schneekappe ❄️. Ich beobachte, ich lausche, und manchmal … denk ich über die Welt nach.
Ich bin kein Denkmal. Ich bin ein Brunnenphilosoph. Ein Zuhörer mit Ausblick. Ein Stück Metall mit Seele.
